Lange wusste Andreas Bönte nicht, warum ihn NS-Zeit, Holocaust und Täterfrage so stark beschäftigten. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Schweigen seiner Mutter und der eigenen psychischen Krise wurde klar: Die Vergangenheit der Familie war nie vorbei.
Aktuelles Buch
Die Vergangenheit in mir
Meine Familie und die Schatten des Nationalsozialismus.
Während eines durch Angststörungen bedingten Klinikaufenthalts gewinnt Andreas Bönte erste erschreckende Einblicke in die eigene Familiengeschichte. Die Recherche führt ihn in eine Welt des Verdrängten: zum Großvater Peter Wiborg, zur SA, zur Pogromnacht in Rheine und zu den seelischen Nachwirkungen in der eigenen Familie.
Kurzfassung
Eine persönliche Suche nach historischer Wahrheit.
Das Buch erzählt, wie Tätergeschichte, Schweigen, psychische Verwundung und demokratische Verantwortung ineinandergreifen. Es ist Familienrecherche, Zeitgeschichte und Selbstbefragung zugleich.
Ein zentraler Teil des Buches rekonstruiert den politischen Weg des Großvaters. Er bewegte sich im rechtsnationalen Milieu des Stahlhelm, radikalisierte sich in der SA und führte in Rheine am 9. November 1938 den Sturm auf die Synagoge an.
Die Geschichte des Großvaters ist untrennbar mit der Geschichte seiner Kinder verbunden. Die Mutter war im Bund Deutscher Mädel, wurde von Härte, Anpassung und Schweigen geprägt und fand ihren Vater 1944 erschossen im Elternhaus.
Der Klinikaufenthalt wird zum Wendepunkt. In der Therapie beginnt Bönte, Angst nicht nur als Symptom, sondern als Signal seelischer Konflikte zu verstehen. Die Familiengeschichte wird zu einem Schlüssel für das eigene Leben.
Das Buch ist kein Versuch, Schuld an Nachgeborene weiterzugeben. Es fragt nach Verantwortung: nach Wissen, Wahrheit und der Bereitschaft, auch die dunklen Anteile der eigenen Herkunft anzusehen.
Ausführlicher Einblick
Recherchen in einer Welt des Verdrängten.
Die Geschichte beginnt mit einer persönlichen Krise und führt Schritt für Schritt in eine Familiengeschichte, die über Jahrzehnte nicht ausgesprochen wurde.
Vom Symptom zur Spur
Angst, Schlaflosigkeit, Panikattacken und Kontrollzwänge werden im Buch nicht nur als medizinische Symptome beschrieben. Sie werden zu Spuren einer seelischen Verflechtung mit der Geschichte der Eltern und Großeltern. In der Zeit nach seinem Klinikaufenthalt beginnt Andreas Bönte zu verstehen, dass die Vergangenheit seiner Familie nicht abgeschlossen war, sondern im Schweigen weiterwirkte.
Aus dieser Erkenntnis entsteht keine private Nabelschau, sondern eine Recherchebewegung: Akten, Fotos, Archive, Orte, Gespräche und Erinnerungen werden zu Bausteinen einer Wahrheit, die lange verdeckt geblieben war.
Der Täter in der Familie
Peter Wiborg: kein Mitläufer, sondern Überzeugungstäter.
Im Zentrum der Recherche steht der Großvater Peter Wiborg aus Rheine. Das Buch zeichnet seinen Weg aus dem rechtsnationalen Milieu des Stahlhelm in die SA nach. Diese Entwicklung erscheint nicht als Zufall, sondern als Zuspitzung eines Weltbildes, das von Nationalismus, Antisemitismus, Autoritätsglauben und Gewaltbereitschaft geprägt war.
Die Pogromnacht vom 9. November 1938 wird zum historischen Kern der Erzählung. Wiborg führte Männer an, die die Synagoge zerstörten, jüdische Geschäfte und Wohnungen stürmten und Angst in die Stadt trugen. Das Buch zeigt damit nicht abstrakte Tätergeschichte, sondern lokale Gewalt, konkrete Namen, konkrete Orte und konkrete Verantwortung.
Familie und Nachwirkung
Schweigen, Scham und übertragene Traumata.
Zur Tätergeschichte gehört auch die Geschichte der Kinder von Peter Wiborg. Seine Tochter Dorothea, Böntes Mutter, war im Bund deutscher Mädel und wuchs in einer Welt auf, in der Härte, Gehorsam und Gefühlsunterdrückung eingeübt wurden. Am 20. Dezember 1944 fand sie als 17-Jährige ihren Vater erschossen im Keller ihres Elternhauses. Dieses Erlebnis blieb in ihr eingeschlossen und prägte das Familienklima über Jahrzehnte.
Das Buch macht sichtbar, wie politische Gewalt in Biografien, Erziehung, Seelen und Beziehungen weiterwirken kann. Es beschreibt die Last einer Täterfamilie, ohne das Leid der Opfer zu relativieren.
Recherche
Orte, Archive, Familiennachlass.
Die Recherche führt nach Rheine, in Archive und an konkrete Orte der Familiengeschichte. Bönte geht Wege nach, reinigt Stolpersteine der Opfer seines Großvaters und bringt eine verdrängte Tätergeschichte an den Ort zurück, an dem sie stattgefunden hat.
Mit zahlreichen Bilddokumenten aus dem Archiv des Autors und historischen Quellen wird sichtbar, wie politische Radikalisierung biografisch greifbar wird.
Presse & Medien
Das Buch in Film, Radio und Presse.
Die persönliche Recherche hat öffentliche Resonanz ausgelöst: im BR-Film zur Spurensuche, in der Radiosendung bei Bayern 2 und in Presseberichten, die das Buch als Auseinandersetzung mit Familiengedächtnis, Tätergeschichte und Verantwortung einordnen.
